Donnerstag, 26. September 2013

ein juter Tag

Noch nie habe ich mich in Berlin so gut gefühlt wie jetzt gerade. 
Heute war der entspannteste aber auch irgendwie erfolgreichste Drehtag für mich bis jetzt. Es war so schlechtes Wetter, dass kaum Leute vorbei gekommen sind, die man blocken musste. Und auch sonst haben wir uns die Arbeit heute sehr gut aufgeteilt. Ich habe so langsam das Gefühl zum Team dazuzugehören. Ich fange an selbständig Entscheidungen zu treffen und bekomme auch Lob dafür. Man wird ernst genommen. Sogar die Schauspieler wissen inzwischen meinen Namen. Die Leute reden auch viel mehr mit mir und ich vor allem mehr mit ihnen. Es ist einfach ein tolles Gefühl von Leuten umgeben zu sein, die das gleiche Interesse haben wie man selbst. Vor dem Praktikum kannte ich keinen, der außer mir zum Film wollte. Mir wurde heute sogar schon angeboten, bei einem Kurzfilm, der im März in Berlin gedreht wird, mitzuarbeiten. Ich weiß schon gar nicht mehr wohin mit den ganzen Kontakten. Ich habe das Gefühl meinem Traum immer näher zu kommen und das ist eins der besten Gefühle überhaupt. 


Außerdem fühle ich mich immer mehr zuhause in Berlin. Ich fange sogar an den Weg vom Set nach Hause zu kennen, der mehrere Kilometer lang ist... was sehr erstaunlich für mich ist.
Zum ersten Mal fühle ich mich nicht mehr verloren, wenn ich vor die Tür gehe. Ich hatte absolut keine Angst mehr, als ich gerade in die merkwürdigsten Straßen gegangen bin, um nach einem Laden zu suchen, in dem ich mir eine Haarbürste kaufen kann. Es ging gerade sogar so weit, dass ich mich bereit gefühlt habe mein erstes Club-Mate zu trinken.
Jetzt hoffe ich auch zum ersten Mal auf meinen Mitbewohner zu treffen, der anscheinend schon seit 5 Tagen 2 Meter von mir entfernt schläft; so wohl fühle ich mich hier gerade.

Jeden Tag, wenn ich nach Drehschluss total spät nach Hause komme und alleine bin, bin ich total fertig und fange an an allem zu zweifeln. Oft fange ich an zu weinen, weil ich mich so einsam fühle und nicht wirklich weiß, ob ich gerade das Richtige tue oder was ich überhaupt tue.
Aber jeden Morgen, wenn ich am Set bin, bin ich irgendwie glücklich. Ich fühle mich dort wohl. Ich habe das Gefühl, dass das genau das ist, was ich machen will. Ich bekomme immer einen riesigen Motivationsschub, dass ich am liebsten direkt anfangen würde mein eigenes Drehbuch zu schreiben, was bei mir aber definitiv schief gehen würde. Ich hätte auch wahnsinnig gerne meine Kamera, um zu filmen und dann zu schneiden. 
Ich bin froh endlich etwas tun zu können, von dem ich weiß, dass es das Richtige für mich ist, weil es mich weiterbringt. Endlich kann ich das tun, was ich wirklich will. Darauf habe ich meine gesamte Schulzeit lang gewartet. 

Mittwoch, 25. September 2013

Ich bin zu fertig, um mir eine Überschrift einfallen zu lassen

Ich wollte mich zum Schreiben zwingen so bald ich daheim war. Hat aber nicht geklappt, bin viel zu durcheinander. Ich kann nicht glauben, was gerade passiert ist.


Theoretisch war ich heute 17 Stunden "arbeiten", besser gesagt "nicht zuhause". Wir hatten heute den sich wohl am spaßigsten anhörenden Drehtag vom ganzen Film: ein Kindergeburtstag artet in einer Tortenschlacht aus. Auch wenn das auf den Bildern nicht so aussieht, es war alles richtig schön mit Süßigkeiten, Muffins, Spielzeug etc. geschmückt. Was auf den Bildern aber wahrscheinlich noch viel weniger realitätsgetreu rüberkommt, ist das Wetter. Es war arschkalt! Ich konnte eigentlich den ganzen Tag lang meinen Atem sehen. Meine eh schon immer kalten Füße sind bald am Boden festgefroren. Erst jetzt habe ich gemerkt, wie durchweicht meine Socken und Schuhe sind. Es hat wieder einmal geregnet. Noch dazu habe ich nichts von der Tortenschlacht gesehen, weil ich den Set-Tisch bewachen musste, der hinter einem Gebüsch aufgebaut war. Die total eingesauten Kinder und der glitschige bunte Boden waren aber Beweis genug, dass sie stattgefunden hat. Es hat überall nach süßer-Erdbeertorte gerochen. Ich habe den Geruch jetzt noch in der Nase. So eine Tortenschlacht ist auf jeden Fall schon einmal der richtige Weg der kommenden Generation den Wert von Lebensmitteln in der heutigen Zeit beizubringen.
Nachdem dieser kalte und äußerst langweilige Drehtag, an dem ich eigentlich nur hinter einem Gebüsch warten musste, endlich um war und wir alles eingeräumt hatten, bin ich zurück zum Lieferwagen und wollte meinen Rucksack rausholen.
Es kam mir schon jemand zuvor. Er war weg. Ich fand es nicht schlimm. Ich war mir erstaunlich sicher, dass ihn einfach jemand in einen anderen Wagen gepackt hat (was aber eigentlich noch absolut nie vorkam und keinen Sinn macht). Aber das war nicht so. Mein Rucksack wurde geklaut.
Ich kann gerade nicht glauben, dass das passiert ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen dicken (dick hauptsächlich wegen eigentlich unnötigen Kassenzetteln von besonderen Orten und Fotos) zerkratzten (Becky du weißt, warum er zerkratzt ist/war) Ledergeldbeutel nie wieder sehen werde. Die EC-Karte habe ich sofort gesperrt, beziehungsweise mein Vater. Ich bin ja so selbstständig. Danach sind wir zur Polizei und haben eine Anzeige aufgegeben. Wir saßen dort bis halb 11. Ich kam mir vor wie im Gefängnis. Dabei habe ich wirklich gar nichts falsch gemacht, ausnahmsweise. Der Lieferwagen sollte eigentlich abgeschlossen gewesen sein und mein Rucksack lag sogar unter dem Beifahrersitz. Ich hoffe ich bekomme meine 150 Euro, die im Geldbeutel waren, meine Kopfhörer und den ganzen Ausweis-Führerschein-Krankenkarte-Kram erstattet... aber irgendwie ist mir das im Moment nicht so wichtig wie es vielleicht sein sollte. Am liebsten hätte ich einfach meinen Geldbeutel wieder, inklusive den Fotos, Kassenzetteln und den anderen Erinnerungen. Aber wahrscheinlich denke ich morgen schon anders. Wenn ich erstmal realisiere, was passiert ist, werden mir die Karten und das Geld bestimmt wichtiger haha. Ich muss jetzt erstmal schauen, wie ich ohne Ausweis und Geld auskommen soll. Außerdem hoffe ich, dass ich eine Ersatz-Bahncard bekomme, sonst kann ich mir auch noch eine neue Heimfahrt buchen. Leider waren in dem Rucksack auch noch meine von der Jacke abgetrennte Kapuze und meine einzige Haarbürste, die ich hier habe, drinnen. Ich werde ab morgen also nur noch mit meiner Snowboardjacke rumlaufen müssen, weil ich sonst keine Kapuze habe. Die Haare werden morgen wohl auch sehr darunter leiden, aber ich kann mir ja eine neue Haarbürste kaufen. Ach nein, geht ja nicht. Ohne Geld.
Aber ich bin wahnsinnig froh mein Handy noch zu haben. Einfach nur die Freude, dass ich mein Handy nicht verloren habe, ist sogar größer als die Traurigkeit über den Verlust von meinem ganzen Rucksack. Das ist irgendwie krank, wenn man genauer nachdenkt.

Ich habe mir geschworen ab morgen nichts wertvolles mehr zum Set mitzunehmen! 
Aber wie auch, ich hab ja eh nichts mehr haha

Montag, 16. September 2013

Anna musste vor die Kamera


Ich hasse es zu tanzen (zumindest wenn andere Leute zuschauen) und ich hasse es vor der Kamera zu sein. Beides habe ich heute getan. Aber auch nur, weil ich nett darum gebeten wurde ... und 55€ extra bekommen habe. Es sind zu wenig Komparsen gekommen und die Disco sah zu leer aus. Also wurde das halbe Team als Discobesucher umfunktioniert. Ich musste zum Glück nur 2 Stunden vor der Kamera sein, habe aber trotzdem das Tagesgehalt von einem Komparsen bekommen, also hatte ich umgerechnet einen Stundenlohn von 27,50 €. Leichter konnte ich bis jetzt nur bei meiner Oma Geld verdienen. Trotzdem denke ich, dass es als "normaler" Komparse auch sehr mühsam und anstrengend sein kann. 
Durch die Erfahrung heute habe ich ein weiteres Mal gemerkt, dass mein Platz definitiv hinter der Kamera ist. Ich habe versucht mich so gut wie möglich im Hintergrund aufzuhalten, dabei habe ich aber vergessen, dass natürlich auch Gegenaufnahmen von der Szene gemacht werden. Einmal sollte ich also ziemlich sicher im Bild sein. Ich hoffe, dass das bild wenigstens kurz ist. Mein Disco-outfit, wenn man es denn so nennen kann, ist schon peinlich genug. Ich hatte dieses silberschimmernde Kleid mit undefinierbarem Muster auch noch über der Hose an. War nicht ganz so mein Stil. Aber den Beanie mochte ich ganz gern, er hat nämlich meine Elfenohren verdeckt.
Insgesamt, war das, was ich heute gemacht habe ein guter Ausgleich zu meinem Wochenende. Am Wochenende war ich Shoppen, jetzt habe ich wieder Geld. Am Freitag und Samstagabend, habe ich keinen Schritt vor die Tür gemacht, sondern saß nur vor meinem Macbook. Dadurch, dass die Szene in einer Disco war und es versucht wurde sie so realistisch wie möglich darzustellen, haben alle Komparsen sogar solche "Eintrittsstempel" auf den Handrücken bekommen. Jetzt denkt jeder, ich hätte am Wochenende wirklich ein Leben gehabt am Wochenende. Ich bin aber froh mal Zeit für mich gehabt zu haben.

Mein Wecker klingelt morgen um 4:00 Uhr, d.h. selbst wenn ich nicht wie die letzten 3 Nächte mitten in der Nacht aufstehe und schlafwandle, kann ich maximal nur 5 Stunden schlafen. Das ist für mich als leidenschaftliche Schläferin sowieso schon viel zu wenig, aber zusammen mit 13 Arbeitsstunden pro Tag geht diese Rechnung wohl für niemanden mehr auf. Ich bin wirklich verdammt müde und fertig.
Ich hoffe ich werde morgen im 5-Sternehotel (in dem wir drehen) nicht irgendwo in der Ecke liegen und schlafen. Wir werden sehen, was passiert. Der Selbstversuch sei gestartet.

Sonntag, 15. September 2013

Endlich genug Schlaf

Ich kann mich nicht erinnern seitdem ich das letzte Mal so glücklich war ausschlafen zu können. Es ist absolut keiner da, der mich weckt (auch nicht mein/e Mitbewohner/in, der/die eigentlich seit Donnerstag hätte da sein sollen). Es weckt mich auch kein Telefon wie zuhause, man schläft wirklich ewig. Ich träume jede Nacht vom Set, von den Dreharbeiten und von den Leuten. Ich höre im Schlaf sogar Leute durch das Headset in mein Ohr reden. Es ist schon ziemlich krank, dass ich unterbewusst anscheinend an fast nichts anderes mehr denken kann.
Heute Morgen ist mir aber erst aufgefallen, was die letzten 2 Nächte passiert ist: 
Ich bin Schlafgewandelt. Ich bin mit anderer Kleidung aufgewacht. Im Nachhinein erinnere mich noch genau daran mich umgezogen zu haben. In dem Moment hat es Sinn für mich gemacht. Ich habe geträumt, dass sie in meiner Wohnung gedreht haben und ich musste mich schnell anziehen. Also habe ich mich zuerst aufs Bett gesetzt und darüber nachgedacht, ob das wirklich kein Traum ist (Immerhin habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmen kann). Aber dann habe ich wieder Leute in meinem Ohr Durchsagen machen gehört und es sind auch abwechselnd Leute in mein Zimmer, die sich beschwert haben, dass ich noch schlafe und nicht mithelfe. Also habe ich mich schnell angezogen und bin dann auf den Flur gegangen. Dort wurde mir aber bewusst, dass das alles nicht real sein kann, weil ich mit meiner Hand an mein Ohr gefasst habe und gemerkt habe, dass ich gar kein Headset im Ohr habe. Aber ich habe trotzdem die Leute noch neben mir durch den Flur laufen sehen. Es war wirklich schon sehr krank, wenn ich so darüber nachdenke. Ich habe dann beschlossen einfach wieder schlafen zu gehen und gehofft, dass ich nicht schon wieder angemotzt werde, dass ich nicht mitarbeite. Das hat dann zum Glück auch geklappt. Ich kann mich noch genau an die Uhrzeit erinnern, es war um 2:39 Uhr.
Dann bin ich nochmal aufgewacht, es war 3:04 Uhr. Es war wieder genau das gleiche. Aber bevor ich richtig aufgestanden bin, habe ich mir direkt an mein Ohr gefasst und bin dann einfach wieder ins Bett zurück.

Insgesamt war es ein sehr sehr komisches Gefühl und es ist krank wie genau ich mich an alles noch erinnern kann. Ich habe Angst, dass ich nächstes Mal vielleicht sogar aus der Wohnung gehe. Es ist so schwer in dem Moment wieder in die Realität zurückzukehren, auch wenn man weiß, dass alles nur ein Traum sein kann. Ungefähr so stelle ich es mir vor harte Drogen genommen zu haben, aber wahrscheinlich ist das ganz anders haha

Im Nachhinein ist mir dann aufgefallen, dass ich genau das gleiche auch schon in der Nacht von Freitag auf Samstag gemacht habe. Ich hoffe ich kann heute mal wieder normal schlafen.

Donnerstag, 12. September 2013

Die ersten Drehtage

Eigentlich wollte ich hier jeden Tag schreiben und inzwischen bin ich eigentlich auch schon so geübt darin, dass ich mich dann abends auch noch wirklich zusammenreißen kann, aber die 13-Stunden Arbeitstage rechtfertigen wohl meine kleine Pause. Ich habe die Arbeit am Set wirklich unterschätzt und auch teilweise irgendwie falsch eingeschätzt. Auch wenn sich ein paar Vorurteile bestätigt haben, nämlich zum Beispiel, dass Schauspieler echt Beispiel nicht klar, wie viel Organisation hinter auch nur 10 Sekunden langen Szenen steckt: Man braucht Blocker, die den Drehort absperren und keine Leute mehr vorbeilassen, man muss Werbung (in unserem Fall vor allem Wahlplakate) abkleben, man braucht Komparsen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort durch das Bild laufen müssen, man braucht Leute, die den Komparsen Bescheid geben, man muss schauen, dass es gerade nicht zu laut ist (es ist unglaublich wie viele Martinshörner man in Städten hört) und noch viele andere Sachen, die mir gerade nicht einfallen, weil ich viel zu fertig bin. Insgesamt arbeiten etwa 30 Leute 13 Stunden am Tag für gerade mal  ca. 4 Minuten Filmmaterial.


Ich war und bin außerdem immer noch überrascht, was für GENIALES Essen man am Set bekommt. Ich esse ständig, wirklich ständig. Leider konnte ich noch nie wirklich ein Foto davon machen, es sind einfach ständig Leute um mich herum. Ich habe nur eins vom "Sweeties"-Teller gemacht, den es immer schon 1 Stunde nach dem Mittagessen ( besteht übrigens aus mindestens 3 verschiedenen Salaten, 4 warmen Gerichten und einer Nachspeise) zusammen mit einem Kuchen und einem großen Tablett Obst gibt. Wenn ich so weitermache, werde ich noch fet(ter), obwohl ich hier mehr Sport an einem Tag  mache als ich daheim in einem Monat. Der Begriff "Set-Runner" ist in dem Fall wortwörtlich zu interpretieren. Es gibt aber auch Momente, in denen ich kaum etwas zu tun habe und dann wirklich einschlafe. Bis jetzt ist noch kein Tag vergangen an dem mir nicht die Augen irgendwann mal zugefallen sind, aber dafür gibt es ja eine Kaffemaschine, die alle möglichen Sorten zur Auwahl hat, und immer und so oft man will für einen da ist. Der Nachteil von dem ganzen sehr guten Essen im Überfluss ist aber, dass die Leute sich daran gewöhnen und es gar nicht mehr schätzen. Es ist unglaublich wie viel hier an noch perfekten Lebensmitteln weggeschmissen wird. Oft muss ich die Brötchen und den Kuchen, der gerade mal ein paar Stunden alt ist, in den Müll machen, nur weil gerade keiner mehr Hunger hat. Ich habe immer so ein unglaublich schlechtes Gefühl, wenn ich das Essen im Müll sehe, aber ich traue mich nicht etwas zu sagen. Noch schlimmer ist es aber die ganzen Plastikflaschen zusammen mit dem Essen im Müll zu sehen. Ich klinge gerade wahrscheinlich wie der mega Öko, aber sowas stört mich einfach und macht mir die Leute auf irgendeine Art unsympathisch, ich hoffe es versteht irgendjemand, was ich meine.

(<- Wenn man neimanden hat, der einen fotografiert, hilft nur das hässliche ich-fotografiere-mich-selbst-mit-meinem-Handy-im-Badezimmerpsiegel-Foto) 
Am Set hat man so gut wie jeder ein Walkie-Talkie und ein Headset. Man fühlt sich dadurch gleich viel wichtiger, vor allem, wenn man damit durch die Stadt laufen muss oder Leuten extra den Weg versperrt. Ich fühle mich damit wie früher, als wir immer mit Walkie-Talkies verstecken gespielt haben, vor allem, wenn gerade gedreht wird und ich mich hinter Türen verstecken muss, weil ich ja nicht gesehen werden darf.Es macht auch richtig viel Spaß Uwe und die anderen Schauspieler rumzukommandieren, oder sie durch die Stadt zu begleiten. Man wird von allen sofort ernst genommen.

Hätte ich diesen Text diesen Eintrag schon am ersten Tag geschrieben, hätte er vermutlich noch ganz anders ausgesehen. Es ist unglaublich wie viel man an einem Tag lernt und wie schnell ich mich schon an alles gewöhnt habe. Ich habe sogar, dass Gefühl schon ein bisschen den berliner Dialekt übernommen zu haben, ich hoffe es aber nicht. Ich fühle mich so als hätte ich hier schon ewig gewohnt und sogar schon Freunde gefunden. Ich habe auch keine Bedenken mehr meinen Mitbewohner demnächst zum ersten Mal über den Weg zu laufen. Ich fühle mich gerade so selbstbewusst wie noch nie. So langsam kann ich auch die Namen der ganzen Leute aus dem Team. Trotzdem ist es immer noch komisch als Jüngste und Unerfahrenste sogar den Regisseur zu duzen. Heute ist mir aus Versehen ein "sie" rausgerutscht und ich wurde gleich komisch angeschaut und dann meinte Titus, der Regisseur, zu mir "Was Anna? Siezt du mich? Also bitte, jetzt fühle ich mich aber alt". Es fällt mir schwer ältere Leute zu duzen, vor denen ich Respekt habe.
Aber ich denke, dass man das so beim Film gewohnt ist, weil man einfach mehr Zeit mit dem Team verbringt als mit den eigentlichen Freunden. Man steht auf, dreht, geht heim und schläft. Am nächsten Morgen das gleiche wieder. Wie soll man auch noch für irgendetwas  Anderes Zeit haben, wenn man oft sogar mehr als 13 Stunden unterwegs ist.
"Social life" und Arbeit unter einen Hut zu kriegen, ist in der Branche wirklich unmöglich.

Ich glaube ich habe mich sogar schon an die Stadt gewöhnt. Gestern habe ich mich zum ersten Mal vor die Tür getraut, was aber eher weniger erfolgreich war. Alleine macht das einfach keinen Spaß. Ich bin nur geradeaus gelaufen, weil ich Angst hatte mich zu verlaufen. Irgendwann haben sich die Geschäfte wiederholt, es gibt hier wirklich sehr viele Dönerläden und Nachtkaufläden; etwas, was ich in Riedern wohl nie sehen werde. Nach 10 Minuten bin ich dann schon wieder zurückgelaufen. Aber ich war trotzdem stolz auf mich, wenigstens überhaupt mal auf die Straße gegangen zu sein.
Morgen werde ich um 6:20 Uhr abgeholt und dann fahren wir zu einer Kneipe zum drehen und eine Szene auf einem Hochhaus am Alex, von dem sich Uwe anscheinend runterstürzt(?).Ich schätze es wird einen Stuntman geben. Ich bin schon sehr gespannt und hoffe, dass ich mich wieder erfolgreich vor dem Wohnmobil fahren drücken kann. 
Ich schätze ich werde morgen wieder von Sirenen geweckt. Ich vermisse die Kirchturmglocken von Rieden. 

Montag, 9. September 2013

Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Aufwand ist einen 20:15Uhr-ZDF Film zu drehen

Ich hätte heute schon wieder am liebsten eine Kamera in meinem Auge eingebaut gehabt. Es ist unglaublich wie viel man an einem Tag erleben kann, wenn man nicht in Riedern den ganzen Tag nur isst und schläft.


Ich bin natürlich viel zu früh aufgestanden. Ich habe sogar extra noch eine Wecker app für mein macbook runtergeladen, damit ich 2 Wecker stellen konnte. Mein iPhone hat mich zwar noch nie enttäuscht, aber es ist einfach ein anderes Gefühl, wenn man auf einmal ganz allein für sich verantwortlich ist. Ich habe ihn so früh eingestellt, weil ich Angst hatte, dass ich die Metrostation nicht finde, aber sie ist wirklich nicht zu verfehlen und heißt auch noch genau so wie die Straße, in der ich wohne, also perfekt für orientierungslose Menschen wie mich. Nachdem ich ungefähr 10 Meter aus der Haustür gelaufen bin, schaue ich kurz zur Seite an die Hauswand und sehe das (↑). Zuerst habe ich es gar nicht richtig bemerkt,  weil es bei uns an jeder Ecke Rothausschilder gibt, aber dann habe ich realisiert, dass ich ja gar nicht mehr zu Hause bin, also ist es schon eigentlich schon irgendwie ein merkwürdiger Zufall, dass das Nachbarhaus Rothaus Bier verkauft. Ich habe nirgends in Berlin heute sonst Rothaus Bier gesehen und ich war wirklich an vielen Orten!
Als ich dann eine Stunde am vereinbarten Treffpunkt vertrödelt habe, wurde ich zu einem anderen Ort geschickt. Natürlich bin ich am Anfang völlig in die falsche Richtung gelaufen, aber ich habe es dann doch noch rechtzeitig gefunden. Den ganzen Tag hatte ich das Gefühl, dass mich jeder komisch angeschaut hat. Man hat mir meine Unbeholfenheit wohl stark angesehen.
Zusammen mit der Set-Aufnahmeleitung, Tina, und ihrem Assistenten mussten wir durch ganz Berlin fahren, um an verschiedensten Orten Sachen abzuholen, die wir ab morgen für den Dreh brauchen (anscheinend). Zuerst dachte ich, wir sind an einem Baumarkt gelandet, aber dann habe ich gemerkt, dass es eigentlich eine Lagerhalle voll mit Stativen, Lampen, Kabel und Regiestühle war. Ich wusste nicht, dass man sich sogar die Regiestühle für den Dreh ausleiht... im Nachhinein ist es aber irgendwie logisch, dass nicht jeder seinen eigenen Stuhl zum Set schleppt haha
Nachdem der Lieferwagen dann endlich voll war, sind wir zum Büro zurückgefahren. Das Gelände, wo das Büro war, war genau so wie man sich Filmgelände vorstellt. Es waren große Häuser aus Backsteinen, die fast keine Fenster hatten, und sie waren durchnummeriert. Im Büro wurde ich erstmal allen Leuten vorgestellt. Ich glaube aber leider nicht, dass ich mich morgen noch an ihre Namen erinnern kann. Das Büro liegt direkt über dem Studio von "Circus Halligalli". Dem anderen Set-Aufnahmeleitungspraktikant hat Klaas freundlicherweise die Tür aufgemacht.


Am Abend gab es dann noch eine Einweisung und ein Sicherheitstyp hat uns über alle möglichen Gefahren aufgeklärt, er hat nicht mehr aufgehört zu reden. Zum Glück kamen wir zu spät und haben nur die Hälfte mitgekriegt. Wir kamen zu spät, weil wir die Wohnwägen noch empfangen mussten. Wir haben sie auf den kleinsten 
Kratzer untersucht, damit uns später nichts angehängt werden kann ... Die haben wohl wirklich noch Hoffnung in mich. Nur weil ich einen Führerschein habe heißt, dass doch nicht, dass ich Wohnwagen durch Berlin fahren kann. Das sind auch noch richtig gute Wohnwägen, der Innenraum sieht total edel aus. Ich habe so große Angst. Es ist ein Albtraum für mich und morgen
wird er wahrscheinlich schon wahr. Ich bete für alle Leute, die zur gleichen Zeit auf der Straße sind wie ich.

Nach der ein Einweisung gab es ein Buffet mit den ganzen Leuten, die beim Film mitarbeiten (Kostüm, Maske, Regisseur, Produzent, Szenenbild etc.). Ich kam mir irgendwie wichtig vor. Außerdem war das Essen richtig gut und hatte fast nur vegetarische Sachen. Ich habe ordentlich abgestaubt. Ich habe den ganzen Tag nur 2€ ausgeben, Becky wird stolz auf mich sein.
Die Leute hier sind wirklich nett, aber es erstaunt mich, wie viele hier rauchen und vor allem wie viel sie rauchen. Ich habe schon Kopfweh vom passiv rauchen. Den ganzen Tag habe ich noch keinen Nichtraucher getroffen, der Beruf muss echt stressig sein. Dafür weiß ich schon von 3 Leuten, dass sie Vegetarier sind.


Als ich nach Hause gebracht wurde, ist mir aufgefallen, dass dieser Laden auch direkt neben meinem Haus ist. Es hat nämlich auf einmal komisch gerochen. Ich bin schon gespannt, was mir morgen neues hier auffallen wird haha

Morgen ist mein erster Drehtag. Eigentlich sollte ich mir noch das Drehbuch durchlesen oder zumindest die Szenen, die wir morgen drehen, aber ich weiß nicht, ob ich mich dazu jetzt noch überwinden kann. Außerdem muss ich eigentlich alle Namen von den Mitarbeitern und Schauspielern können, und das sind richtig viele! Ich verstehe nicht einmal wirklich, was ich morgen genau tun muss. Ich glaube sie trauen mir zu viel zu.
Der Tag heute war sehr anstrengend aber auch sehr interessant. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Aufwand ist einen 20:15Uhr-ZDF Film zu drehen. 
Ich werde morgen um 6:15 abgeholt, früher als der Schulbus. Trotzdem sind das alles Opfer, die morgen ihren ersten Schultag haben. Ich kann endlich etwas tun, dass mich interessiert.



Sonntag, 8. September 2013

Ich bin angekommen


Das ist mein Zimmer. Es ist riesig und ich mag den Boden. Neben dem Schrank, der auf dem Bild abgeschnitten ist, ist noch ein Schreibtisch.
Meine Mitbewohner sind bis Donnerstag nicht da und ich bin ganz alleine. Es gibt kein Essen und Trinken in der Wohnung. Ich fühle mich schon total überfordert,wenn ich daran denke, dass ich morgen irgendetwas kochen muss.
Ich kann  einfach nicht glauben, dass ich gerade in Berlin bin. Wenn ich mir vorstelle wie groß die Stadt ist, bekomme ich Angst. Ich hoffe ich werde nie meinen Schlüssel vergessen, aber ich befürchte das wird passieren.

Morgen ist schon mein erster Arbeitstag beim Praktikum. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf. Vielleicht muss ich einen Wohnwagen fahren. Ich muss fahren. in Berlin. einen Wohnwagen!!! Das wäre schrecklich! Ich versuche mir so wenig wie möglich von der Stelle zu erwarten, damit ich nicht enttäuscht werden kann. Das Lied macht aus meiner Angst irgendwie Vorfreude: http://www.youtube.com/watch?v=cwzlsQ-Ew5E

Ich gehe jetzt schlafen. Meine erste Nacht ganz alleine in der größten Stadt Deutschlands.




Im Fernbus nach Berlin 




Ich habe die ganze zeit das Gefühl als wäre ich in einem Film. Am liebsten würde ich gerade alles, was ich sehe und höre aufnehmen und später zu einem Video zusammenschneiden. Ich bin heute total durcheinander. Es fühlt sich alles an wie ein Traum.

Ich habe das Gefühl, dass die nächsten Tage viel passieren wird und ich werde viel zu erzählen haben. Deshalb fange ich diesen Blog an. Ich will versuchen meine ersten Eindrücke so genau wie möglich festzuhalten. Wahrscheinlich werde ich später darüber zu lachen. Es ist einfach alles so surreal. Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell gehen kann. 


Wir waren heute ein bisschen zu spät in Freiburg, weil ich heute morgen (4 Uhr) zu schwach war meinen Koffer zu packen. Mir war richtig schlecht, ich hatte auch kaum geschlafen. Ich war so fertig, dass ich es nicht einmal mehr geschafft habe auf dem polaroid zu lächeln, dass meine Mutter von mir gemacht hat. Ich sehe mehr aus wie ein ängstliches Reh. Ursprünglich dachte ich ein großer und ein kleiner Koffer würde reichen, aber jetzt habe ich 2 riesige Koffer, die zusammen gefühlt 3 Mal so viel wiegen wie ich selbst. Ich weiß jetzt schon, dass ich viel zu viel mitgenommen habe (Ich hoffe die Wohnung liegt im Erdgeschoss!). Ich habe mir aber nichtmal die Adresse aufgeschrieben und ich weiß auch nicht mehr wie viel genau die Miete kostet haha

Ich weiß nicht wirklich, was ich gerade tue. Ich sitze da, schaue aus dem Fenster und höre Musik. Jede Musik passt irgendwie. Mit trauriger Musik wird man ganz melancholisch und bekomme Angst mit aufregender Musik habe ich den Drang heute gar nicht mehr schlafen zu gehen. Ich weiß gerade wirklich nicht mehr, was ich denken soll. Es ging alles so wahnsinnig schnell. Ich bin ein langsamer Mensch, es wird bei mir noch Tage oder Wochen dauern, bis ich realisiere, was ich gerade mache und wo ich bin. 

Vermutlich habe ich schon mein ganzes mobiles Internet aufgebracht, weil ich zu dumm bin, das Wlan vom Fernbus zu benutzen und dann habe ich keins mehr,wenn ich wirklich eins brauche. Ich habe Angst davor mich in Berlin zu verirren oder zu vereinsamen. Ich schaffe es ja nichtmal mit meiner Sitznachbarin zu reden. Ich glaube ich werde schon sehr bald merken, was für ein Dorfkind ich bin.