Noch nie habe ich mich in Berlin so gut gefühlt wie jetzt gerade.
Heute war der entspannteste aber auch irgendwie erfolgreichste Drehtag für mich bis jetzt. Es war so schlechtes Wetter, dass kaum Leute vorbei gekommen sind, die man blocken musste. Und auch sonst haben wir uns die Arbeit heute sehr gut aufgeteilt. Ich habe so langsam das Gefühl zum Team dazuzugehören. Ich fange an selbständig Entscheidungen zu treffen und bekomme auch Lob dafür. Man wird ernst genommen. Sogar die Schauspieler wissen inzwischen meinen Namen. Die Leute reden auch viel mehr mit mir und ich vor allem mehr mit ihnen. Es ist einfach ein tolles Gefühl von Leuten umgeben zu sein, die das gleiche Interesse haben wie man selbst. Vor dem Praktikum kannte ich keinen, der außer mir zum Film wollte. Mir wurde heute sogar schon angeboten, bei einem Kurzfilm, der im März in Berlin gedreht wird, mitzuarbeiten. Ich weiß schon gar nicht mehr wohin mit den ganzen Kontakten. Ich habe das Gefühl meinem Traum immer näher zu kommen und das ist eins der besten Gefühle überhaupt.

Außerdem fühle ich mich immer mehr zuhause in Berlin. Ich fange sogar an den Weg vom Set nach Hause zu kennen, der mehrere Kilometer lang ist... was sehr erstaunlich für mich ist.
Zum ersten Mal fühle ich mich nicht mehr verloren, wenn ich vor die Tür gehe. Ich hatte absolut keine Angst mehr, als ich gerade in die merkwürdigsten Straßen gegangen bin, um nach einem Laden zu suchen, in dem ich mir eine Haarbürste kaufen kann. Es ging gerade sogar so weit, dass ich mich bereit gefühlt habe mein erstes Club-Mate zu trinken.
Jetzt hoffe ich auch zum ersten Mal auf meinen Mitbewohner zu treffen, der anscheinend schon seit 5 Tagen 2 Meter von mir entfernt schläft; so wohl fühle ich mich hier gerade.
Jeden Tag, wenn ich nach Drehschluss total spät nach Hause komme und alleine bin, bin ich total fertig und fange an an allem zu zweifeln. Oft fange ich an zu weinen, weil ich mich so einsam fühle und nicht wirklich weiß, ob ich gerade das Richtige tue oder was ich überhaupt tue.
Aber jeden Morgen, wenn ich am Set bin, bin ich irgendwie glücklich. Ich fühle mich dort wohl. Ich habe das Gefühl, dass das genau das ist, was ich machen will. Ich bekomme immer einen riesigen Motivationsschub, dass ich am liebsten direkt anfangen würde mein eigenes Drehbuch zu schreiben, was bei mir aber definitiv schief gehen würde. Ich hätte auch wahnsinnig gerne meine Kamera, um zu filmen und dann zu schneiden.
Ich bin froh endlich etwas tun zu können, von dem ich weiß, dass es das Richtige für mich ist, weil es mich weiterbringt. Endlich kann ich das tun, was ich wirklich will. Darauf habe ich meine gesamte Schulzeit lang gewartet.
ich habe gerade deine schönen Worte über Berlin gelesen und das hat mich sehr an meine Situation vor einem Jahr erinnert. Berlin ist einfach riesig aber so eine tolle Stadt...man muss ihr ein bisschen Zeit geben:)
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